Fast jeder trinkt Kaffee zur falschen Zeit

So macht Kaffee morgens wirklich wach!

Für viele Menschen gehört eine Tasse Kaffee direkt nach dem Aufstehen einfach dazu. Der Duft, die Wärme und der erste Schluck sind ein festes Morgenritual. Doch hilft Kaffee tatsächlich dabei, morgens richtig wach zu werden? Oder gibt es einen besseren Zeitpunkt für den ersten Kaffee?

Warum macht Kaffee überhaupt wach?

Der Wirkstoff Koffein beeinflusst unser Gehirn. Dort gibt es sogenannte Adenosin-Rezeptoren. Quasi Parkplätze für körpereigene Botenstoffe. Adenosin ist so ein körpereigener Botenstoff, der sich im Laufe des Tages ansammelt und uns müde macht.

Koffein besetzt diese Rezeptoren, sodass Adenosin nicht mehr richtig andocken kann. Das Ergebnis: Wir fühlen uns wacher und konzentrierter.

Kaffee ist sofort nach dem Aufstehen nicht immer optimal

Direkt nach dem Aufwachen produziert unser Körper vermehrt Cortisol. Dieses Hormon ist ein natürlicher Wachmacher und hilft uns dabei, in den Tag zu starten.

Wenn wir genau in dieser Phase Kaffee trinken, arbeiten Cortisol und Koffein gleichzeitig. Für manche Menschen macht das keinen großen Unterschied. Andere fühlen sich dadurch nervös, unruhig oder sogar gestresst.

Deshalb vermuten einige Wissenschaftler, dass Kaffee etwas später besser wirken könnte.

Wann sollte man Kaffee trinken?

Einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht, denn jeder Mensch hat einen anderen Tagesrhythmus.

Als grobe Orientierung gilt: Nach dem Aufstehen zunächst den Körper natürlich wach werden lassen. Etwa ein bis zwei Stunden später kann Kaffee dann seine Wirkung häufig besser entfalten. Wer empfindlich auf Koffein reagiert, profitiert oft besonders von diesem späteren Zeitpunkt.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Wer schlecht geschlafen hat oder im Schichtdienst arbeitet, hat häufig einen anderen Cortisol-Rhythmus.

Warum trinken trotzdem so viele Menschen morgens Kaffee?

Die Wirkung von Kaffee ist nicht nur biologisch.

Für viele Menschen ist der erste Kaffee des Tages ein Ritual. Der Geruch, die Wärme der Tasse und die kurze Pause signalisieren dem Gehirn: Der Tag beginnt jetzt.

Dieser psychologische Effekt kann genauso wichtig sein wie das Koffein selbst.

Warum werden wir dann trotz Kaffee irgendwann müde?

Auch wenn Kaffee kurzfristig gegen Müdigkeit hilft, kann er den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus unseres Körpers nicht ausschalten.

Im Laufe des Tages sammelt sich immer mehr Adenosin im Gehirn an. Dieser Botenstoff erhöht den sogenannten Schlafdruck – also das Bedürfnis zu schlafen. Koffein blockiert zwar vorübergehend die Adenosin-Rezeptoren, es verhindert aber nicht, dass weiterhin Adenosin produziert wird.

Sobald die Wirkung des Koffeins nachlässt, können die angesammelten Adenosin-Moleküle wieder an ihre Rezeptoren andocken. Viele Menschen erleben dann den bekannten „Kaffee-Crash“ und fühlen sich plötzlich wieder müde.

Warum wirkt immer mehr Kaffee irgendwann nicht mehr?

Viele glauben, dass eine zusätzliche Tasse Kaffee die Müdigkeit einfach weiter hinauszögert. Tatsächlich stößt aber Koffein an seine Grenzen.

Zum einen baut der Körper Koffein kontinuierlich ab. Die Halbwertszeit beträgt bei den meisten Erwachsenen etwa vier bis sechs Stunden – je nach Mensch kann sie aber deutlich kürzer oder länger sein.

Zum anderen gewöhnt sich das Gehirn bei regelmäßigem Kaffeekonsum an das Koffein. Es kann mit der Zeit mehr Adenosin-Rezeptoren bilden, sodass dieselbe Kaffeemenge weniger stark wirkt als früher. Dieses Phänomen nennt man Toleranzentwicklung.

Letztlich kann Kaffee Müdigkeit also nur vorübergehend überdecken. Gegen echten Schlafmangel gibt es keinen Ersatz: Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung bleiben die wichtigsten Voraussetzungen, um tagsüber dauerhaft leistungsfähig zu sein.

Fazit: Einen Versuch ist es wert

Kaffee macht durchaus wach – aber möglicherweise nicht am besten direkt nach dem Aufstehen. Wenn dein Körper bereits durch Cortisol aktiviert wird, kann es sinnvoll sein, mit dem ersten Kaffee noch etwas zu warten.

Am Ende gilt jedoch: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. Probiere einfach einmal aus, ob dir Kaffee ein bis zwei Stunden nach dem Aufstehen besser bekommt als direkt nach dem Klingeln des Weckers.

Vielleicht stellst du fest, dass dein Kaffee dann sogar noch besser wirkt.

In unserem aktuellen Video erklären wir anschaulich, wie Koffein, Adenosin und Cortisol zusammenwirken und warum der Zeitpunkt deines Kaffees einen Unterschied machen kann.

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