Bohnen im Mehlmantel

Ein einfaches Rezept mit 6000 Jahren Geschichte

Heute tauchen wir tief ein – nicht in die Pfanne, sondern in rund 6000 Jahre Kochgeschichte. Süß-sauer bleibt außen vor, Showeffekte ebenso. Stattdessen geht es um ein Gericht, das beweist, dass gutes Essen weder laut noch kompliziert sein muss. Bohnen im Mehlmantel sind ein stiller Klassiker: einfach, nahrhaft, erstaunlich zeitlos. Ein Rezept, das früher aus Not entstand und heute aus Überzeugung gekocht werden sollte.

Der erste Eindruck ist unspektakulär, fast bescheiden. Grüne Bohnen, etwas Mehl, ein Ei oder ein Schuss Öl. Mehr braucht es nicht, um ein Gericht zuzubereiten, das früher ganze Familien ernährte und heute erstaunlich gut in unsere moderne Vorstellung von einfacher, schneller und asiatischer Küche passt.

Geschmacklich bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen zartem Gemüse, leichter Hülle und würziger Sauce. Kein Crunch, kein Krach – dafür Substanz.

Zutaten

  • ca. 250 g Buschbohnen
  • 5–7 EL Mehl
  • 1 Ei oder 1 Schuss Öl (vegan)

Für die Sauce:

  • 5–6 EL Sonnenblumenöl
  • 3–4 Knoblauchzehen
  • 1–2 Lauchzwiebeln
  • 1–2 EL Sojasauce
  • 1 EL Ketchup
  • Salz
  • Pfeffer

Optional:

  • 2 TL geröstetes Sesamöl
  • Chili

Zunächst werden die Bohnen gewaschen, von beiden Enden befreit und anschließend halbiert. Der Knoblauch wird gepresst, die Lauchzwiebeln fein geschnitten. Dann folgt der entscheidende Schritt: Das Ei wird aufgeschlagen – oder alternativ etwas Öl verwendet – und mit einer Prise Salz über die Bohnen gegeben. Alles wird gründlich vermischt, bevor das Mehl nach und nach untergehoben wird. Ziel ist kein dicker Panzer, sondern eine gleichmäßige, feine Umhüllung. Jede Bohne soll ihren eigenen kleinen Mantel tragen.

Anschließend werden die Bohnen gedämpft, etwa acht bis neun Minuten lang. Diese Zubereitungsart ist keine moderne Wellness-Idee, sondern eine der ältesten Kochmethoden der chinesischen Küche.

Während der Dampf seine Arbeit tut, entsteht die Sauce. Dafür werden Lauchzwiebeln, Knoblauch, Chili, Pfeffer und eine kleine Prise Salz in eine hitzefeste Schüssel gegeben. Das Sonnenblumenöl wird stark erhitzt, bis es leicht zu rauchen beginnt. Dann wird es direkt über die Mischung gegossen. Dieser Moment ist kurz, aber entscheidend: Die Hitze setzt Aromen frei, ohne sie zu verbrennen. Danach kommen Sojasauce, Ketchup und – wer möchte – geröstetes Sesamöl dazu. Alles wird gut verrührt.

Sind die Bohnen fertig gedämpft, werden sie mit der Sauce vermischt. Mehr ist nicht zu tun. Kein Nachwürzen, kein Nachdenken, kein Nacharbeiten. Fertig.

Im Prinzip lässt sich dieses Gericht auf nahezu jedes Gemüse übertragen. Mit einem Mehlmantel und etwas Dampf schmeckt selbst das Schlichteste plötzlich erstaunlich gut. 

Genau das war der Gedanke hinter dieser Zubereitungsform, die in China Zheng Cai genannt wird – Essen aus dem Dampf. Der heiße Wasserdampf gart das Gemüse langsam und schonend, erhält Geschmack und Nährstoffe und kommt mit minimalem Fett aus. Für arme Familien war das früher ein Trick, heute ist es eine Tugend.

Nicht umsonst heißt es in China: „Es gibt kein Gemüse, das man nicht dämpfen kann.“ Ein Satz, der weniger philosophisch klingt als praktisch – und genau deshalb bis heute gilt.

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